3 Tage Warschau

Während hier in Deutschland Vatertag/Herrentag oder wie auch immer und zu diesem Anlass teilweise Neo-Nazis aufmarschierten (bei weit mehr Gegendemonstanten ✊), waren wir – meine Freundin und ich – über’s verlängerte Wochenende in Warschau, Polen. Ich war noch nie in Polen und irgendwie wusste ich auch nicht viel über das Land, außer dass es besseres Internet als in Deutschland gibt (oh welch Überraschung 🙃), die rechte PiS-Partei („Prawo i Sprawiedliwość“, deutsch Recht und Gerechtigkeit) um Jarosław Kaczyński dort über 45% der Stimmen bei der Europawahl geholt hat und natürlich kannte ich teilweise was sich in Polen während des zweiten Weltkriegs abgespielt hat.

Warschau am Abend
Warschau am Abend

An- und Abreise

Wir sind mit dem IC Bus der Deutschen Bahn über Nacht nach Warschau gefahren, das kam mir ziemlich praktisch vor, da wir dadurch stets morgens in der jeweiligen anderen Stadt waren (Warschau <> Berlin), uns dadurch die Nacht im Hotel sparten und den Tag nicht mit reisen verbrachten. Wir sind am Mittwoch um 22:45 Uhr in Berlin gestartet und um 7:40 Uhr angekommen. Grundsätzlich bevorzuge ich ja das Reisen mit der Bahn, jedoch hat sich das wohl nicht so ganz angeboten, deshalb ging es mit dem Bus dahin. Ich habe vorher noch nie nichts von diesen IC Bussen gehört und war bis zum Einsteigen noch etwas sketptisch, ob es diese Busse überhaupt gibt 😃 Im Bus angekommen war ich dann überrascht wie komfortabel die Sitze waren – vor einem mehr als ausreichend Platz, eine Steckdose und 2 USB-Anschlüsse in jeder Reihe auf beiden Seiten sowie funktionierendes WLAN (lustigerweise jedoch erst hinter der Grenze in Polen). Zurück ging es dann am Samstag um 22:10 Uhr vom Bahnhof Warszawa Zachodnia, sodass wir schon um kurz nach 7 Uhr wieder am Berliner Bhf. ankamen. Das Reisen mit dem IC Bus fand ich ingesamt also recht angenehm.

Nur alte weiße Männer an Litfaßsäulen

Was mir sofort auffiel, war, dass ich nur Plakate der PiS-Partei entdeckte – immer das gleiche Sujet: 2 alte weiße Männer – einer davon Jarosław Kaczyński – auf blauem Hintergrund mit der selben Botschaft über die gesamte Stadt hinweg (leider habe ich kein Bild davon gemacht), obwohl eine liberale pro-europäische Koalition zur Europawahl antrat und über 33% der Stimmen einfahren konnte. Keine andere Parteiwerbung konnte ich in Warschau entdecken. Den Wahlkampf selbst habe ich in Warschau nicht verfolgt, jedoch scheint die Opposition dort zu schwach zu sein, um der Partei etwas entgegen setzen zu können.
Diese Plakate und auch einige junge Menschen, welche mit PiS-Taschen (wie diesen) durch Warschau gelaufen sind, haben es mir sehr schwer gemacht Menschen einzuschätzen wie sie denn wohl abgestimmt haben – gerade im Hinblick darauf, dass die PiS-Partei eher für Europafeindlichkeit und Antisemitismus bekannt sind.

„Das polnische Wahlrecht – aber auch das ungarische – hat eine Besonderheit gegenüber dem deutschen: Im Prinzip gilt proportionales Wahlrecht. Aber die stärkste Partei bekommt zusätzlich zu ihrem Abschneiden nach Prozentpunkten einen Bonus an Parlamentssitzen. Dieser Mechanismus soll es erleichtern, eine Regierungsmehrheit zu sichern. Wenn die Pro-Europäer die PiS ablösen wollen, muss ihr Parteienbündnis stärkste Kraft werden. Es genügt nicht, zweitstärkste Kraft zu werden und sich einen Koalitionspartner zu suchen, der die fehlenden Prozentpunkte beiträgt.“

„Warum Polens Pro-Europäer falsch kalkulieren“ – ein Kommentar von Christoph von Marschall

Gefangen zwischen Alt und Neu

Schlossplatz in Warschau
Schlossplatz

Warschau selbst hingegen wirkte für mich als suchte sie noch nach ihrer Identität als wäre sie irgendwo zwischen Vergangenheit und Moderne gefangen. Immer wieder gibt es verlassene und heruntergekommene Gegenden, die so wirken wie eine Zeitreise in die Vergangenheit und andererseits gibt es immer wieder hippe Läden, welche genau diesem Bild zu entkommen versuchen. Wir haben zwei Touren mit Tour Guides aus Warschau gemacht – eine Tour führte durch die Altstadt und die andere durch Praga. In beiden Touren wurde uns der Eindruck vermittelt, dass Praga ein gefährlicher Stadtteil sei, wo auch heute Kriminelle ihr Unwesen trieben – ein polnischer Freund hingegen hat mir Praga als aufstrebenden Bezirk beschrieben. Wie man Praga am besten beschreiben kann ist mir bis dato noch nicht ganz klar.

Ebenfalls haben wir zwei Museen besucht, einmal das POLIN Museum und das Museum des Warschauer Aufstandes – beide waren sehr interessant aufgebaut, jedoch hatte ich Probleme dem roten Faden darin zu folgen und habe die Museen nicht schlauer verlassen. Am Ende der drei Tage bin ich irgendwie insgesamt nicht schlauer was Warschau und Polen angeht – ist das nun ein rechtes Land, sind die Menschen tendenziell eher rechts? Ich kann es nicht wirklich einschätzen. In den nächsten Wochen möchte ich mir einige Dokus dazu ansehen – Warschau war jedenfalls sehr schön.

Schwarzes Eis mit Nutella-Geschmack und Oreo-Topping

Und dann gab es immer wieder dieses Nutella-Eis mit Oreo-Topping, das quasi zur täglichen Pflicht wurde 🙂

Gedrosselter VPN

Was ich mir in Warschau nicht so ganz erklären konnte, war, dass mein VPN im mobilen Netz so sehr gedrosselt wurde, dass jede Webseite ca. eine halbe Minute zum Öffnen benötigte – im Hotel-WLAN hingegen hatte ich dieses Problem nicht. Leider habe ich vor Ort nicht daran gedacht irgendwelche Tests mit OONI (Open Observatory of Network Interference) durchzuführen – schade, da ich ein ähnliches Phänomen bereits in Helsinki bemerkt habe. Auch das ist eine Hausaufgabe für die nächsten Tage, woran das liegen könnte.

tl;dr

Warschau war sehr schön, aber dennoch kommt es mir vor als hätte ich nicht viel über Warschau und Polen gelernt – hier jedoch einige Bilder:

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